Woran erkennt man ein autistisches Syndrom?

Anfang der 1940er Jahre definierten der Kinderpsychiater Leo Kanner und der Arzt und Pädagoge Hans Asperger unabhängig voneinander „Autismus“ als eine eigenständige Behinderung. Hieraus entwickelten sich die Begriffe des Kanner- und des Asperger-Syndroms, mit denen zwei unterschiedliche Erscheinungsbilder des Autismus beschrieben werden. Entsprechend den Personenkreisen, die Kanner und Asperger beobachtet und beschrieben hatten, geht man beim Asperger-Autismus von einer durchschnittlichen oder auch überdurchschnittlichen Intelligenz und beim Kanner-Autismus neben der autismusspezifischen Symptomatik von einer kognitiven Beeinträchtigung aus.
Diese Begrifflichkeiten waren in der Folgezeit Grundlage für die weitere Autismusforschung.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt aktuell in der „ICD-10“, dem internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten, das Behinderungsbild des Autismus u.a. in frühkindlichen Autismus, atypischen Autismus und Asperger Autismus.
Inzwischen hat sich für alle Ausprägungen dieses Behinderungsbildes der Begriff der „Autismus Spektrum Störung“ (ASS) durchgesetzt, den auch die WHO in der bevorstehenden „ICD 11“ zugrunde legen wird.

Folgende Symptome können auf eine autistische Symptomatik hindeuten:

  • Auffälligkeiten bezüglich der sozialen Interaktion und im Kontaktverhalten, Beeinträchtigung des Identifikationsvermögens, verminderter Kontakt zum Mitmenschen, z. B. durch Ablehnen von Körperkontakt und/oder Zärtlichkeiten, Blickabwenden, mangelnder Blickkontakt z.B.. durch Vorbei- bzw. „Hindurch“-Sehen, sich Zurückziehen und vorwiegendes Zuwenden zu Gegenständen, d.h. zur unbelebten Welt
  • Kommunikations- und Sprachauffälligkeiten, Sprachenentwicklungsrückstand, Beibehalten von Ein- oder Zweiwortsätzen, Sprechen von sich selbst in der 3. Person, sprachliche Verwechselung von „Du“ und „Ich“; Sprechen im Telegrammstil bzw. A-Grammatismus, Echolalie, d.h. Nachsprechen des Gehörten, mehrfaches Wiederholen von Worten oder Sätzen, Monotonie in der Sprachmelodie, Zeigen und Hinführen bei Wünschen, Nichtverstehen oder Missdeuten der Gesten anderer, Mutismus
  • Mängel im Abstraktionsvermögen, Tendenz, alles wörtlich zu nehmen
  • Probleme im emotionalen Bereich, plötzliche Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Schrei- oder Wutanfälle bei Überforderung durch Reizüberflutung oder ohne erkennbaren Anlass
  • Stereotypien, d.h. zwanghaft sich wiederholende Verhaltensweisen und Bewegungen (z.B. rhythmisches Schaukeln), Unruhe, zwanghaftes Festhalten am Gewohnten (z.B. Tagesablauf, Tischordnung, Anordnung von Möbeln und anderen Gegenständen innerhalb bestimmter Räumlichkeiten
  • Auffälligkeiten im Wahrnehmungsbereich, z.B. mangelnde Reaktion oder Übersensibilität in Bezug auf optische, akustische und/oder taktile Reize trotz intakter Sinnesorgane, Störungen des Gleichgewichtssinnes und der Körperwahrnehmungen
  • motorische Auffälligkeiten, Unruhezustände, oft unsichere Grobmotorik, Schwierigkeiten in der Feinmotorik, motorische Ungeschicklichkeit
  • Auffälligkeiten beim Spielverhalten, kaum kreatives, symbolhaftes Spiel, atypischer Umgang mit Spielmaterial

 Zuverlässig kann eine Autismus Spektrum Störung nur aufgrund einer differenzierten kinder-und jugend-/psychiatrischen Diagnostik erfolgen.